Sehr geehrter
Herr Pándi!
Persönliche Diffamierungen dürfen in unserer Gesellschaft eine sachliche Auseinandersetzung nicht ersetzen: Diskutieren wir die Vermögensbesteuerung und lassen wir andere Meinungen gelten!
Gerade von den Medien erwartet die Öffentlichkeit ein bestimmtes Maß an Konflikt- und damit Diskussionskultur. Was Sie in der Sonntagskrone vom 19. April geliefert haben, läuft dieser Erwartung völlig zuwider: Die Diffamierung zweier angesehener WissenschafterInnen, deren einziger "Fehler" es ist, nicht Ihrer Meinung zu sein, ist der österreichischen Medienlandschaft unwürdig! Wie im ganz normalen Leben gibt es auch unter den ÖkonomInnen verschiedene Auffassungen, die sich auf verschiedene Theorien stützen - dafür ist in unserer Gesellschaft Platz.
Unter Ökonominnen und Ökonomen ist nahezu unbestritten, dass die Steuerstruktur eines Landes ausgewogen sein sollte. Ein leistungsgerechtes und effizientes Wirtschaften verlangt, dass sämtliche Quellen von Einkommen und Erträgen besteuert werden. Das ist in Österreich aber nicht der Fall: Einkünfte aus Kapitalvermögen werden entweder gar nicht besteuert oder aber sehr viel geringer als Arbeitseinkommen. Hier einen Ausgleich zu schaffen, mag Menschen schmerzen, die sich bis jetzt über enorme Steuerprivilegien freuen durften - ungerecht ist es deswegen noch lange nicht.
Durch die Steuerbegünstigung und zum Teil auch Steuerbefreiung von Kapitalerträgen wird Arbeit bestraft und die Investition in unproduktive Finanzvermögen belohnt. Außerdem werden Anreize für riskante Portfolioentscheidungen jenes Teils der Bevölkerung gesetzt, die etwa auf eine zusätzliche Altersversorgung spart. Mit eine Ursache für Finanzmarktinstabilitäten, die auch zu dieser Krise beigetragen haben.
Auch wenn Sie anderes glauben machen wollen, es sind nicht nur ein paar "Altlinke", denen diese Zusammenhänge ein Anliegen sind. Zahlreiche OECD-Länder heben eine Steuer auf den realisierten Kapitalzuwachs ein. Österreich gehört zu den wenigen OECD-Ländern, in dem weder eine umfassende Besteuerung des Vermögensbestandes erfolgt, noch eine nennenswerte Kapitalzuwachsbesteuerung von Wertpapieren im Privatvermögen (nach der Spekulationsfrist von einem Jahr).
Wen trifft es: Die Geldvermögensverteilung ist äußerst ungleich. Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Das reichste Promille (0,1%) besitzt über 8% des gesamten Geldvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfügt ebenso über 8%.
Angesichts der für 2010 von der OECD prognostizierten Defizits von 7,7 Prozent werden wir uns entscheiden müssen: Sparpakete auf Kosten der unteren Einkommen oder eine gerechtere Steuerstruktur. Wir sind für Zweiteres!